EU-Innenminister müssen Abschottungspolitik beenden – Jahresbericht 2021 belegt Tote durch politisches Versagen

Berlin, Donnerstag, 9. Juni 2022

Anlässlich der morgen, am 10.06.2022, zu Migrationsthemen tagenden EU-Innenministerkonferenz fordert SOS Humanity die EU-Politiker auf, zu einer Einigung und Reform eines Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) zu kommen. Die fatalen Folgen der gescheiterten Migrationspolitik auf dem Mittelmeer schildert die zivile Seenotrettungsorganisation in ihrem heute vorgelegten Jahresbericht 2021.

„Das Hundertfache Sterben von Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer darf die EU nicht weiter als Resultat ihrer Abschottungspolitik tolerieren,“ betont Maike Röttger, Geschäftsführerin von SOS Humanity. „Wir fordern die deutsche Innenministerin Faeser auf, einen verbindlichen europäischen Verteilmechanismus für aus Seenot gerettete Menschen auf der EU-Innenministerkonferenz durchzusetzen. Die deutsche Bundesregierung muss außerdem mit der Aufnahme von Geflüchteten in der EU beispielhaft vorangehen. Sie braucht nicht auf eine sogenannte Koalition der Willigen zu warten. Faeser kann noch heute konkrete Aufnahmezusagen machen.“

Die Missstände auf dem zentralen Mittelmeer, einer der tödlichsten Fluchtrouten der Welt, stellt SOS Humanity in ihrem heute veröffentlichten Jahresbericht 2021 eindrücklich dar. Im vorigen Jahr noch als Teil des europäischen Seenotrettungsverbundes SOS Mediterranee agierend, hat die Organisation 2021 mit dem Rettungsschiff Ocean Viking in neun Einsätzen 2.832 Männer, Frauen und Kinder aus Seenot gerettet. In ihrem Jahresbericht schildern die Seenotretterinnen und -retter einen von ihnen bezeugten Seenotfall im April 2021 mit 130 Toten – als Folge verweigerter Koordination der staatlichen Leitstellen und mangelnder Rettungskapazitäten im Mittelmeer. Sie wurden auch Zeugen von zahlreichen illegalen Rückführungen, die von der EU-finanzierten libyschen Küstenwache durchführt wurden. Die Zahl der menschenrechtswidrigen, sogenannten Pull-backs war im Jahr 2021 fast dreimal so hoch wie 2020.

Weil die EU bis heute kein eigenes, staatlich koordiniertes Seenotrettungsprogramm aufgestellt hat, fehlen weiterhin Rettungskapazitäten. SOS Humanity stellt im Jahresbericht dar, warum sie sich als deutsche Organisation vom SOS Mediterranee-Verbund gelöst hat. Ab Sommer 2022 wird sie mit einem eigenen Rettungsschiff, der Humanity 1, noch mehr flüchtende Menschen aus Seenot retten.

Alle Details finden Sie in dem ab heute online verfügbaren, vollständigen Jahresbericht 2021 SOS Humanity – SOS Mediterranee Deutschland e.V.