Segelschiff Humanity 2 bei erstem Einsatz unrechtmäßig im Hafen festgehalten

Am 30. August 2026 wurde die Humanity 2 von den italienischen Behörden im Hafen von Lampedusa vorläufig festgesetzt, nachdem die Crew bei zwei Rettungen am 28. und 29. August 2026 insgesamt 71 Menschen aus Seenot gerettet hatte. Das neue Segelschiff von SOS Humanity wird somit während des ersten Einsatzes aufgrund illegitimer Anschuldigungen aus dem Rettungsgebiet ferngehalten, kritisiert die Seenotrettungsorganisation. 

„Die Blockade der Humanity 2 in Lampedusa ist ein politisch motivierter Schachzug, um Such- und Rettungsmaßnahmen zu behindern“, sagt Crew-Mitglied Ikram Jarmouni. „Während unseres Einsatzes wurden 71 Menschen in Seenot an Bord genommen und drei im Wasser treibende Leichen gefunden. Hinzu kommen Dutzende Tote, die in diesem Jahr von anderen Organisationen in denselben Gewässern gesichtet wurden. Diese Todesfälle sind die direkte Folge der Entscheidung europäischer Regierungen: Menschen sollen um jeden Preis daran gehindert werden, europäische Küsten zu erreichen, anstatt sichere Routen zu schaffen. Jede Stunde, in der dieses Schiff aufgrund unrechtmäßiger Vorwürfe festgehalten wird, ist eine Stunde, in der es nicht im Einsatz ist – und genau das ist das Ziel dieser Blockade.“ 

Die erste Rettung von 12 Menschen aus einem kleinen, seeuntüchtigen Kunststoffboot, das von der Besatzung in internationalen Gewässern vor Libyen gesichtet wurde, fand am 28. August statt. 

In der Nacht näherte sich der Humanity 2 auf ihrer Fahrt nach Norden ein weiteres überbesetztes Boot. In einer gefährlichen Situation wurden 59 Menschen von unbekannten Personen auf die Humanity 2 gedrängt, die sich anschließend vom Ort des Geschehens entfernten. Einige Menschen kamen mit Verletzungen an Bord. An Bord des 24 Meter langen Segelschiffs war die Lage chaotisch: Die Crew bemühte sich, das Gedränge an Deck zu bewältigen und Platz für die zusätzlichen Menschen zu schaffen, zusätzlich zu den zwölf bereits am Vortag Geretteten. Die zuständigen Behörden wurden informiert, sobald die Notsituation stabilisiert und die Suche nach möglicherweise vermissten Personen abgeschlossen war. 

Bei der Ankunft im zugewiesenen Hafen von Lampedusa erließen die italienischen Behörden eine vorläufigen Festsetzungsanordnung gegen die Humanity 2, da die Crew es angeblich versäumt habe, „die Rettung unverzüglich der zuständigen Seenotrettungsleitstelle zu melden“. 

„Die vorgebrachten Vorwürfe sind empörend, da die Crew zu jeder Zeit im Einklang mit dem Völkerrecht gehandelt hat“, sagt Marie Michel, Politikexpertin bei SOS Humanity. „Die Crew hat die zuständigen Behörden informiert, sobald sie sich vergewissert hatte, dass den Überlebenden Erste Hilfe geleistet wurde und sich keine Menschen mehr im Wasser befanden. Die Humanity 2 aus diesen absurden Gründen während des ersten Einsatzes festzusetzen ist ein weiterer Beleg für den Versuch der italienischen Behörden, die lebensrettenden Bemühungen der Zivilgesellschaft zu ersticken.“ 

SOS Humanity ist bereit rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der italienischen Regierung einzuleiten. Wie Marie Michel betont: „Wir werden nicht hinnehmen, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten Menschen dem Tod überlassen und sich ihrer völkerrechtlichen Verantwortung entziehen, Leben auf See zu retten. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass die Menschenrechte aller Menschen ausnahmslos geschützt werden – vor Gericht, in den Parlamenten und auf der Straße.“ 

Sichtung von Leichen und steigende Todesfälle im Mittelmeer 

Am Morgen des 25. August, hatte die Besatzung drei Leichen zwischen verschiedenen, nicht identifizierbaren schwimmenden Gegenständen entdeckt. Aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands der Leichen konnten sie nicht geborgen werden. Seit dem 14. August haben verschiedene Such- und Rettungsorganisationen bei ihren Einsätzen im zentralen Mittelmeer 27 Leichen entdeckt, womit sich die Gesamtzahl auf 30 erhöht. 

Das Jahr 2026 begann als das tödlichste Jahr im zentralen Mittelmeer seit Beginn der systematischen Dokumentation durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) im Jahr 2014. Im Durchschnitt stirbt alle sechs Stunden ein Mensch auf der zentralen Mittelmeerroute auf der Suche nach Sicherheit. Die Blockade der Humanity 2 folgt auf die Festsetzung von acht Rettungsschiffen der Justice Fleet-Allianz durch italienische Behörden allein im Jahr 2026, was den lebensbedrohlichen Mangel an Rettungskapazitäten im zentralen Mittelmeer weiter verschärft.