Italien setzt Rettungsschiff für 60 Tage fest und plant Gesetz für „Seeblockade“, Hunderte im Mittelmeer vermisst

Rettungsschiff Humanity 1 mit Crew, die ein Plakat trägt
Sinawi Medine/ SOS Humanit

Berlin, 14.02.2026. Während im zentralen Mittelmeer weiterhin Hunderte Menschen als vermisst gelten, haben italienische Behörden am 13.02.2026 das Rettungsschiff Humanity 1 in Trapani auf Sizilien für 60 Tage festgesetzt und eine Geldstraße von 10.000 Euro für SOS Humanity verhängt. Die Behörden werfen der Besatzung vor, bei der Rettung von 33 Menschen aus Seenot nicht mit der libyschen Seenotleitstelle kommuniziert zu haben. Die Festsetzung erfolgte kurz nachdem die italienische Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt hatte, der eine „Seeblockade“ ermöglicht – eine neue Maßnahme gegen zivile Rettungsschiffe. 


„Unsere Crew hat gemäß internationalem Seerecht alle zuständigen Rettungsleitstellen informiert”, betont die Einsatzleiterin auf der
Humanity 1, Viviana di Bartolo. “Kommunikation mit libyschen Akteuren ist bewusst nicht erfolgt, da diese nicht als legitime Such- und Rettungsakteure gelten können – sie sind für schwere Menschenrechtsverletzungen an Schutzsuchenden verantwortlich.” 

Nach Angaben von SOS Humanity handelt es sich um die dritte Festsetzung eines Rettungsschiffes des Bündnisses „Justice Fleet“ innerhalb von drei Monaten. Dieses Bündnis von NGOs kritisiert die europäische Unterstützung für libysche Akteure auf See, denen sie Gewalt gegen Schutzsuchende und Rettungscrews vorwirft. Im August 2025 hatte die Besatzung eines Patrouillenboots der libyschen Küstenwache ein ziviles Rettungsschiff beschossen. 

“Hier wird auf gefährliche Weise auf den Kopf gestellt, wer die Täter sind. Während wir Menschen retten und dafür bestraft werden, wird eine sogenannte libysche Küstenwache unterstützt, die flüchtende Menschen misshandelt und tötet”, so Marie Michel, politische Expertin bei SOS Humanity. „Wir fordern die umgehende Freilassung unseres Rettungsschiffs Humanity 1.“ 

Nach Angaben von SOS Humanity ist dies die zweite Festsetzung ihres Schiffes innerhalb von drei Monaten. Im Januar war bereits das Rettungsschiff Sea-Watch 5 aus denselben Gründen festgesetzt worden. Zwei der größten Seenotrettungsschiffe im Mittelmeer würden damit an weiteren Rettungen gehindert, so die Organisation weiter. 

Unterdessen verschärft die italienische Regierung die Behinderung humanitärer Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer weiter. Mit einem neuen Gesetzentwurf plant die Meloni Regierung eine „Seeblockade“ für NGO-Schiffe: Diese könnten bis zu sechs Monate lang daran gehindert werden, in italienische Hoheitsgewässer einzufahren – wenn die Behörden meinen, ein „Sicherheitsrisiko“ festzustellen. 

„Die erneute Festsetzung unseres Rettungsschiffs erfolgt vor dem Hintergrund einer weiteren Eskalation der Behinderung dringend notwendiger Rettungseinsätze im Mittelmeer“, sagt Marie Michel. „Mit diesem Gesetzentwurf, der eine „Seeblockade“ vorsieht, unternimmt die italienische Regierung einen dramatischen Schritt in ihrer Politik gegen zivile Such- und Rettungsaktionen. Damit verschärft sie die humanitäre Katastrophe auf See weiter und untergräbt in eklatanter Weise das Völkerrecht.“ 

Daten der Internationalen Organisation für Migration zeigen, dass allein 2026 bereits 484 Migrant*innen nach mehreren Schiffbrüchen im zentralen Mittelmeer als tot oder vermisst gemeldet wurden. 

Geflüchtetenboot
Elisabeth Sellmeier / SOS Humanity
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