Seenotrettung in Not: Rettungseinsätze von SOS Humanity gefährdet

Sea rescue without rescue ship
Wanda Proft / SOS Humanity

Massive Kostensteigerungen, die Streichung öffentlicher Mittel und rückläufige Spenden gefährden die Rettungseinsätze – während im Jahr 2026 mehr Menschen ertrunken sind als in jedem anderen Jahr seit 2014.

Die zivile Seenotrettungsorganisation SOS Humanity sieht ihre Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer durch eine wachsende Finanzierungslücke zunehmend unter Druck. Der Betrieb des Rettungsschiffs Humanity 1 ist für die zweite Jahreshälfte nicht abgesichert – während in diesem Jahr so viele Menschen auf der Flucht ertrinken, wie seit 2014 nicht mehr.

Hintergrund sind unter anderem die Streichung öffentlicher Mittel in Höhe von 785.000 Euro sowie deutlich gestiegene Einsatzkosten. Nach zehn Jahren Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer und über 39.500 geretteten Menschen schlägt die Organisation nun Alarm.

„Unsere Rettungseinsätze stehen auf der Kippe“, sagt Geschäftsführer Till Rummenhohl. „Wenn wir jetzt nicht zusätzliche Unterstützung bekommen, müssen wir Einsätze einstellen. Das wäre angesichts von bereits über eintausend Toten im Mittelmeer in diesem Jahr eine Katastrophe. Wenn nun auch noch zivile Seenotrettung wegfällt, werden noch deutlich mehr Menschen ertrinken. Das ist kein unumgängliches Schicksal, sondern eine konkrete Folge politischer Entscheidungen.“

Nach Angaben von SOS Humanity ist die Finanzierungslücke, die sich auf rund 2 Millionen Euro beläuft, auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die neue Bundesregierung hat im vergangenen Jahr die vom Deutschen Bundestag beschlossene Unterstützung für zwei Jahre gestrichen. Gleichzeitig reduzieren allgemeine Preissteigerungen die Spendeneinnahmen, während operative Kosten – insbesondere für Treibstoff, zuletzt auch durch den Krieg im Iran – deutlich gestiegen sind. Zudem mussten Partnerorganisationen Fördersummen reduzieren.

Auch die Behinderungspolitik der italienischen Regierung belastet laut der zivilen Seenotrettungsorganisation, die sich als gemeinnütziger Verein fast vollständig über Spenden finanziert, ihre Finanzen. Seitdem die ultrarechte Regierung von Giorgia Meloni im Amt ist, wird den Schiffen der Nichtregierungsorganisationen weit im Norden gelegene Häfen für die Ausschiffung der aus Seenot Geretteten zugewiesen, was den Treibstoffverbrauch um ein Vielfaches erhöht.

So viele Tote wie seit 2014 nicht mehr

Laut IOM (Internationale Organisation für Migration) sind in diesem Jahr bis zum 9. April im gesamten Mittelmeer 1.003 Menschen gestorben oder werden vermisst. Auf der Hauptfluchtroute zentrales Mittelmeer, auf der SOS Humanity im Einsatz ist, sind in diesem Zeitraum mindestens 772 Menschen ertrunken – ein Anstieg von über 150% gegenüber dem Vorjahr und mehr, als in jedem anderen Jahr seit 2014. (Quelle: Pressmitteilung IOM vom 7. April 2026)

Angesichts der dramatischen Situation fordert SOS Humanity die Bundesregierung auf, die vom Bundestag beschlossene Unterstützung umgehend zu leisten und ruft die Zivilgesellschaft zu Spenden auf, um die Rettungseinsätze fortführen zu können. Spendenkampagne: Jetzt spenden und Leben retten – SOS Humanity

Ruhige Wellen und blauer Himmel
Isabelle Law
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