MeetTheTeam: Nina, RHIB-Koordinatorin

Nina RHIB Koordinatorin SOS Humanity

Bei unserem ersten Einsatz mit der Humanity 1 geht Nina als Teil der Such- und Rettungscrew an Bord. Wir haben mit ihr gesprochen und freuen uns, sie als eine der ersten Crewmitglieder der Humanity 1 vorstellen zu dürfen! #MeetTheTeam

Nina kommt aus der Nähe von Zürich (Schweiz) und unterstützt schon seit 2016 geflüchtete Menschen: Erst als Volunteer an Land – in griechischen Geflüchtetenlagern oder an der griechischen Küste – später auf See als Crewmitglied verschiedener ziviler Seenotrettungsorganisationen. Seit 2019 studiert Nina Jura und engagiert sich ehrenamtlich bei der Refugee Law Clinic als Rechtsberaterin für von Gewalt betroffene Frauen.

Nina, schön, dass du an Bord bist! Wir starten sofort mit der ersten Frage:

„Wie bist du zu SOS Humanity gekommen?“

„Ich arbeite schon längere Zeit in verschiedenen NGOs und seit 2017 auch in der zivilen Seenotrettung. Nach 3 Jahren Jurastudium wollte ich wieder in der der zivilen Seenotrettung aktiv sein und jetzt auch mit meinem neuen Wissen zu unterstützen. Als ich die Möglichkeit bekam Teil von SOS Humanity zu sein, hat das sehr gut gepasst.“

„Was ist deine Position an Bord?“

Ich bin RHIB-Koordinatorin. Das bedeutet, dass ich in Trainings und bei Einsätzen das Such- und Rettungsteam in einem der beiden schnellen Rettungsboote (RHIBs) koordiniere und dabei den Kontakt zur Brücke und der Einsatzleitung (SarCo) halte. Ich unterstütze den*die SarCo während unserer Einsätze.

Darüber hinaus organisiere ich zusammen mit dem*der SarCo den sogenannten Shuttle. Bei Rettungseinsätzen werden die Menschen in den meisten Fällen in mehreren kleinen Gruppen nacheinander an Bord der Humanity 1 gebracht. RHIB-Koordinator*in und SarCo informieren die dort wartenden Teams über die Verfassung und Anzahl der Menschen, damit diese gegebenenfalls auf Besonderheiten wie medizinische Notfälle vorbereitet sind.“

„Die gesamte Seefahrt ist (noch) sehr männlich geprägt. Das merken wir auch in der Crewzusammensetzung bei uns an Bord. Was sind deine Erfahrungen als Crewmitglied und welchen Tipp würdest du uns geben, um mehr Frauen* an Bord zu holen?“

Meine Erfahrungen sind sehr ambivalent. Auf der einen Seite besteht die Erwartungshaltung, sich in der jeweiligen Rolle erst noch „beweisen“ zu müssen. Das frisst Energie, die dann bei der eigentlichen Arbeit fehlt. Gleichzeitig wird man in dem Bereich schnell auf eine Art Podest gehoben und als eine Besonderheit oder Ausnahme behandelt. Das ist eine extreme Überhöhung und schadet tatsächlich eher als das es hilft. Es impliziert, dass man als Frau* besonders sein muss, um überhaupt in dem Bereich der Seefahrt / Seenotrettung aktiv sein zu können. Mein Geschlecht hat jedoch nichts mit meiner Arbeit oder Leistung zu tun.

Nur, weil ich für eine NGO arbeite, heißt das nicht, dass es dort überhaupt keinen Sexismus samt stereotyper Vorstellungen gibt. Ich sehe aber auch, dass insbesondere die NGO´s der zivilen Seenotrettung sich viel Mühe geben, dieses grundsätzliche gesamt gesellschaftliche Problem anzugehen, indem sie Frauen* fördern und gezielt für ihre Einsätze anwerben. Es ist fast allen NGOs wichtig, auf eine Gender-Balance in den Teams zu achten und das nicht nur als ein Nebenthema zu behandeln.

Es ist eine sehr schwierige Frage, wie wir mehr Frauen* motivieren können sich bei uns zu bewerben. Schließlich sind wir sozusagen am „receiving-end“ von einem sehr komplexen System, welches Frauen* seit Jahren benachteiligt und ihrer Förderung im Weg steht. Es gibt generell wenig Frauen* in der Schifffahrt. Und diese sehr männliche Umgebung führt sicherlich auch dazu, dass Frauen* gar nicht erst darüber nachdenken, ob sie sich für eine Crewposition auf einem zivilen Rettungsschiff bewerben sollen.

Es ist wichtig vor allem Frauen* zu vermitteln, dass sie sich nicht unterschätzen sollen: Eure Skills werden dringend gebraucht!

Eine ausgeglichene Crew ist wichtig für das Zusammenleben der Crew an Bord. Auch gerettete Frauen* haben mir schon gesagt, wie erleichternd es für sie war, dass der Erstkontakt mit einer Frau* stattgefunden hat. Das hat für sie eine Sicherheit dargestellt und ihnen geholfen zu verstehen, dass sie keine Angst vor uns haben müssen.“

„Was bedeutet Menschlichkeit für dich?“

„Menschlichkeit bedeutet, nicht weg zu sehen und Situationen, Ereignisse oder Entwicklungen nicht als gegeben zu betrachten. Besonders als sehr privilegierte Person ist jedes nicht-Handeln auch immer ein Unterlassen.“

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Photo credits: Arez Ghaderi / SOS Humanity

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