Geflüchtetenboote
Elisabeth Sellmeier / SOS Humanity

Im Gespräch mit Sigrid

Mein Erbe für

den guten Zweck

Mit ihrem Testament möchte Sigrid über ihr eigenes Leben hinaus etwas bewirken. In diesem Interview erzählt sie, warum sie sich entschieden hat, SOS Humanity als Erbin einzusetzen, welche Zukunft sie sich für die Seenotrettung wünscht und welche persönlichen Vorteile sie im gemeinnützigen Vererben sieht – für sich selbst ebenso wie für die Menschen, die ihr am nächsten stehen.

„Dass so viele Menschen über das Mittelmeer fliehen müssen und dabei Tausende ertrinken, erschüttert mich zutiefst. Deshalb ist es mir wichtig, die Rettungsarbeit von SOS Humanity auch über mein Leben hinaus zu unterstützen - damit kein Mensch mehr auf der Flucht ertrinken muss.“
Foto von Sigrid Dahm

Du hast SOS Humanity in Deinem Testament als Erbin eingesetzt. Weshalb liegt Dir das Thema Seenotrettung am Herzen?

Mich hat die Berichterstattung über die Schiffsunglücke und die vielen Menschen auf der Flucht im Jahr 2015 sehr erschüttert. Dass so viele Schutzsuchende das Mittelmeer überqueren mussten, und immer noch müssen – und dass dabei jedes Jahr Tausende ertrinken.
Zu sehen, wie zivile Seenotrettungsorganisationen mit ihren Rettungseinsätzen staatliche Aufgaben ersetzt haben, hat mich tief beeindruckt. Die Beharrlichkeit und der Mut der Crew an Bord sind beachtlich – nicht zuletzt im Hinblick auf das Risiko, das mit den Konflikten mit der libyschen Küstenwache sowie der zunehmenden Kriminalisierung und Behinderung von Seenotrettung einhergeht. Menschen trotz der vielen Hindernisse und zunehmender Bedrohungen zu retten, ist bewundernswert.

Elisabeth Sellmeier / SOS Humanity

Wann und wie entstand dann bei Dir der Gedanke, über Dein eigenes Leben hinaus zu helfen und eine humanitäre Organisation als Erbin einzusetzen?

Ich spende schon seit langer Zeit. Mir war und ist hierbei besonders wichtig, kleinere NGOs zu unterstützen, die auf Ressourcen angewiesen sind, wie SOS Humanity. So lag der Gedanke einer Testamentsspende an euch nahe. Aber es gab auch administrative Beweggründe. In meinem Umfeld erlebe ich immer wieder, wie nervenaufreibend und anstrengend der Prozess einer Testamentsabwicklung sein kann. Wenn der Prozess außerhalb des engsten Kreises stattfindet, kann Stress oder gar Gezerre für alle Beteiligten vermieden werden. Das schafft Sicherheit und Klarheit.

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Warum hast Du Dich entschieden, gerade SOS Humanity in Deinem Testament zu bedenken?

Ich habe vor einiger Zeit begonnen, darüber nachzudenken, eine Organisation als Erbin einzusetzen. Dann fragte ich eine Freundin, die selbst langjährige Unterstützerin von SOS Humanity ist, ob das mit euch möglich ist. Die Antwort war “Ja”. Und damit war die Entscheidung gefallen. Dann ging alles recht schnell.

 

Was würdest Du Menschen raten, die sich mit dem Thema Testament noch schwertun?

Ich kann nur meine Erfahrung teilen: Ich habe mich hingesetzt und mir überlegt: „Was ist mir wichtig? An welche Organisationen spende ich schon?“ Dann habe ich das Aufgeschriebene etwas liegen lassen und irgendwann noch mal darauf geschaut und mir überlegt, ob ich noch etwas ändern will. Dieses Vorgehen kann ich nur weiterempfehlen – schließlich muss sich das Ergebnis gut anfühlen.

Gelbe Wimpelkette unter blauem Himmel
Rebecca Gahr / SOS Humanity

Es ist auch jederzeit möglich, das Testament wieder zu ändern.

Genau. Natürlich kann dieser Prozess, das eigene Testament zu schreiben, Angst oder Unwohlsein auslösen. Insbesondere weil du weißt, dass die Wünsche, die du verschriftlichst, erst eintreten, wenn du nicht mehr bist. Und trotzdem war ich sehr erleichtert, als ich es gemacht hatte, denn ich dachte, „Egal, was jetzt passiert, es ist alles geklärt“. Das ist sehr befreiend.
Außerdem liegt mir am Herzen, dass eure Arbeit auch über mein Leben hinaus finanziell gesichert ist, damit ihr weiterhin Menschen vor dem Ertrinken retten könnt. Deshalb wünsche ich mir, dass SOS Humanity auch in Zukunft bestehen kann – denn Seenotrettung ist und bleibt unverzichtbar.

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