Erste Rettungen neues Segelschiff Humanity 2 von SOS Humanity
Berlin, 29. August 2026. Am gestrigen Freitag und heute am frühen Samstagmorgen rettete die Besatzung des neuen Segelschiffs Humanity 2 von SOS Humanity bei ihrem ersten Einsatz im zentralen Mittelmeer in zwei Rettungen insgesamt 71 Menschen in Seenot. Damit hat die zivile Such- und Rettungsorganisation vier Jahre nach der dem ersten Einsatz der Humanity 1 erstmals zwei Schiffe im Einsatz. Heute Mittag brachte die Crew der Humanity 2 die 71 Überlebenden auf Lampedusa an Land, das von den italienischen Behörden als sicherer Hafen angewiesen worden war.
Die erste Rettung von 12 Menschen aus einem kleinen, seeuntüchtigen Glasfaserboot, das von der Besatzung in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste gesichtet worden war, fand am Freitag gegen Mittag (MESZ) statt. Die vier Frauen und acht Männer an Bord waren am Donnerstagabend von Zuwarah in Libyen aus in See gestochen und waren ohne Rettungswesten und ohne Navigationsausrüstung unterwegs. Die Besatzung verteilte Rettungswesten und brachte alle sicher an Bord der Humanity 2.
Auf der Fahrt nach Norden stieß die Crew des Segelschiffs heute in den frühen Morgenstunden gegen 4:00 Uhr (MESZ) auf ein weiteres überbesetztes Boot mit 59 Menschen in Seenot, die alle an Bord der Humanity 2 genommen wurden. Viele Überlebende waren geschwächt und dehydriert, und das medizinische Team der Humanity 2 stellte bei ihnen insgesamt drei Knochenbrüche fest. Die Menschen waren am Freitagabend von Libyen aufgebrochen. Auf Anweisung der italienischen Behörden fuhr die Humanity 2 zum zugewiesenen sicheren Hafen Lampedusa, wo alle Geretteten gegen 12:00 Uhr (MESZ) von Bord gebracht wurden.
Zuvor hatte die Besatzung am Morgen des 25. August drei Leichen zwischen verschiedenen, nicht identifizierbaren schwimmenden Gegenständen entdeckt. Aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands der Leichen war es der Besatzung des Segelschiffs Humanity 2 nicht möglich, diese zu bergen. Seit dem 14. August hatten verschiedene Such- und Rettungsorganisationen im Rahmen ihrer Einsätze im zentralen Mittelmeer 27 Leichen entdeckt, womit sich die Gesamtzahl auf 30 erhöht.
Bilder der Rettung und des Segelschiffs finden Sie hier.
Mit einem zweiten Schiff mehr Menschen aus Seenot retten
Am Freitag, dem 21.08.2026 war die Humanity 2 von Syrakus auf Sizilien in den Rettungseinsatz ausgelaufen. Die ehemalige Segelyacht war in neun Monaten mithilfe von 101 ehrenamtlichen Helfern in der sizilianischen Werft in Licata für den Rettungseinsatz umgebaut worden. „Die humanitäre Katastrophe im zentralen Mittelmeer spitzt sich weiter zu, ohne dass die Öffentlichkeit noch hinschaut“, betont Nina Geisler, Geschäftsführerin von SOS Humanity. „Im ersten Quartal 2026 sind mehr Menschen im zentralen Mittelmeer ertrunken als im Vergleichszeitraum jedes anderen Jahres seit 2014. Allein im August wurden Dutzende Leichen im Wasser treibend entdeckt oder an die libysche Küste gespült. Dass wir dieser Katastrophe nun mit einem zweiten Schiff etwas entgegensetzen können, verdanken wir unseren starken Förderpartnern und dem ungebrochenen Engagement der Zivilgesellschaft.“
Kurze Wege für ein Segelschiff
Ein Motorsegler wie die Humanity 2 hat laut SOS Humanity gegenüber großen Rettungsschiffen viele Vorteile. Das 24-Meter lange Schiff ist nicht nur flexibel im Einsatz, sondern hat auch kurze Wege: Die Ausschiffung findet erfahrungsgemäß in Lampedusa statt, da mit Geretteten an Bord keine längere Fahrt möglich ist. Als Segelschiff ist die Humanity 2 auf kurze, flexible Einsätze ausgelegt, ist umweltfreundlich und kostengünstig im Einsatz. Es kann schnell auf Notrufe reagieren, Menschen in Seenot stabilisieren, erste Hilfe leisten und im Notfall über 100 Menschen aufnehmen, in der Bordklinik notversorgen und an einen sicheren Ort bringen. Die Crew wird auch bezeugte Menschenrechtsverletzungen dokumentieren.
Pressesprecherin Petra Krischok
presse@sos-humanity.org,
+49 (0)176 552 506 54.
finden Sie unter diesem Link.
Bitte nennen Sie bei Verwendung Name Fotograf*in / SOS Humanity.