SOS Humanity rettet 111 Menschen und beklagt Informationspolitik von Frontex

Rettungseinsatz SOS Humanity

Am 6. September 2022 rettete die Crew der Humanity 1 in internationalen Gewässern vor der Küste Libyens 111 Menschen aus Seenot. Die Seenotrettungsorganisation war durch auffällige Flugbewegungen seitens Frontex auf den Fall aufmerksam geworden. Die europäische Grenzschutzagentur hatte ihre Informationen über den Notfall nicht mit den Rettungsschiffen in der Umgebung geteilt.

Mirka Schäfer von SOS Humanity, die als Menschenrechtsbeobachterin an Bord der Humanity 1 ist, schildert die Situation: „Wir konnten 111 Menschen aus einem Boot in Seenot retten, nachdem wir in einem Gebiet östlich von Tripoli patroulliert hatten. Jenes war am Dienstag von einer Frontex-Drohne und einem Flugzeug mehrfach umkreist worden. Wir haben beschlossen, den Kurs dorthin aufzunehmen, obwohl wir keinerlei Informationen über diesen Fall erhielten. In Anbetracht der potentiellen Bewegung des Bootes passt die Position der Rettung zu der Position, über der die Drohne kreiste. Doch Frontex hat – wie schon in der Vergangenheit bei anderen Fällen – davon abgesehen, Informationen mit den einsatzbereiten Rettungsschiffen in diesem Gebiet zu teilen. Damit gefährdet Frontex Leben. Das ist menschenverachtend.”

Es war der erste Rettungseinsatz von SOS Humanity seit der Umbenennung der Organisation und mit ihrem neuen Schiff. Nachdem das Schiff Nadir von Resqship am Nachmittag ein Boot in Seenot auffand, folgte die Crew der Humanity 1 dem Notruf, den die Nadir abgesetzt hatte, und traf am Abend im Zielgebiet ein. Die Rettungsmaßnahmen konnten ohne Zwischenfälle abgeschlossen werden. Die Crew hatte die zuständigen Behörden bzw. Leitstellen in Rom, Malta und Libyen via E-Mail informiert, wobei eine Antwort ausblieb.

Bei dem in Seenot geratenen Boot handelte es sich um ein stark überbesetztes und seeuntüchtiges Schlauchboot mit zwei Frauen, 21 Männer und 88 Minderjährigen an Bord, davon 86 unbegleitet. Mindestens zehn Personen haben durch Salzwasser-Benzin-Gemische im Schlauchboot Hautverätzungen erlitten.

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Photo credits: Arez Ghaderi / SOS Humanity

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