Interview mit Michael Ruf – Autor und Regisseur der Mittelmeer Monologe

Wenn es um die Flucht von Menschen über das Mittelmeer geht, so hören wir oft Zahlen und Schlagzeilen. Dabei wird oft vergessen, dass es sich um Menschen mit Lebensgeschichten handelt.

Michael Ruf ist Autor und Regisseur der dokumentarischen Theaterstücke Asyl Monologe und -Dialoge, NSU Monologe und Mittelmeer Monologe. Letztere werden am 12. September im Heimathafen Neukölln in Berlin – erstmals und gegebenenfalls einmalig – mit großer Orchesterbegleitung aufgeführt. Den ohnehin bewegenden Geschichten Geflüchteter und Aktivist*innen wird so ein weiterer Resonanzraum zur Verfügung gestellt. Das Ziel: Die Situation im zentralen Mittelmeer als tödlichster europäischer Außengrenze ins öffentliche Bewusstsein rücken!

Deshalb freuen wir uns besonders an diesem Abend von unserem ersten Einsatz mit unserem neuen Rettungsschiff – der Humanity 1 – berichten zu können. Unsere Geschäftsführerin Maike steht im Anschluss an das Stück Rede und Antwort.

Kommt vorbei! Auf der Webseite des Heimathafen Neuköllns gibt es noch Tickets für den 12. September; Beginn ist 19:30 Uhr.

Ihr wollt mehr über die Mittelmeer Monologe und die Besonderheit der Orchesteraufführung erfahren? Dann lest hier unbedingt weiter. Wir haben wenige Tage vor der Aufführung mit Michael Ruf gesprochen.

„Michael, du machst dokumentarisches Theater zu großen gesellschaftlichen Fragen und Debatten – was bedeutet das eigentlich und wie entscheidest du, welchen Themen du dich widmest?“

„Ich versuche zu erzählen, welche Themen sonst im Diskurs viel zu kurz kommen. Wenn es um die Flucht von Menschen über das Mittelmeer geht, so hören wir oft Zahlen und Schlagzeilen. Dabei wird oft vergessen, dass es sich um Menschen mit Lebensgeschichten handelt. Menschen mit bestimmten Ausbildungen und Berufen, mit Familien, mit Träumen vom Leben. Deshalb fokussiere ich auf einzelne Biografien, weil wir dann am besten verstehen können, was es heißt, so eine Überfahrt machen zu müssen.“

„Bezogen auf die Mittelmeer Monologe: Was ist dir bei den Begegnungen mit den Interviewten oder der Beschäftigung mit ihren Geschichten in Erinnerung geblieben?“

„Eine Aktivistin der Seenotrettung, mit der ich gesprochen habe, meinte dass man bei so einem Einsatz gleichzeitig erfährt, zu wie viel Schlechtem und Gutem Menschen imstande sind: Das Leid von Menschen, ausgelöst durch die europäische Grenzpolitik einerseits. Solidarität, die einen zum Lachen und Weinen bringt, andererseits.“

„Welcher gesellschaftliche und politische Handlungsbedarf leitet sich für dich daraus ab?“

„Das Sterben auf dem Mittelmeer muss aufhören. Man kommt sich ja fast blöd vor, wenn man so eine Selbstverständlichkeit ausspricht. Aber leider haben sich zu viele Menschen bereits daran gewöhnt, dass täglich Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken. Dass dies geschieht, ist einfach nur absurd.“

Dass es Organisationen wie SOS Humanity, Sea-Watch oder Sea-Eye gibt, führt zu meiner Überzeugung, dass sich diese Absurdität nicht auf Dauer durchsetzen wird. Eines Tages werden wir zurückblicken und uns bei diesen Akteur*innen bedanken, weil sie bei dieser Auseinandersetzung eine zentrale Rolle gespielt haben.

„Am 12. September werden die Mittelmeer Monologe mit Orchesterbegleitung aufgeführt. Was ist das Besondere daran?“

„Das hat sich irgendwie entwickelt. Zunächst waren die Mittelmeer-Monologe reines Sprechtheater. Dann haben wir drei Lieder entwickelt, weil manche Themen mit Songs schlichtweg besser kommuniziert werden können. Am 12. September wird ein neun-köpfiges Orchester die Sängerin und das Theaterstück begleiten. Das hört sich nicht nur toll an, mein Ziel ist ein Abend, an dem wir die Geschichten der Protagonistinnen und Protagonisten der Mittelmeer-Monologe in einem möglichst würdevollen Setting erzählen.

Los geht’s am 12. September um 19:30 Uhr im Heimathafen Neukölln.

Vermutlich wird eine solche Performance einmalig bleiben, deshalb hoffen wir, dass viele Menschen kommen.“

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Photo credits: Luca Abbiento

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