FAQ 

SOS MEDITERRANEE Deutschland tritt 2022 unter einem neuen Namen auf: SOS Humanity.

Dieser steht für die andauernde humanitäre Notlage auf dem Mittelmeer und unser Ziel, dass jeder Mensch dort aus Seenot gerettet und mit Würde behandelt wird. Er ist auch Mahnung und Appell an die Bürger*innen Europas, das Sterben auf dem Mittelmeer von Menschen auf der Flucht nicht hinzunehmen.

Gegründet 2015 in Berlin als SOS MEDITERANEE Deutschland e.V. und bislang mit den Schiffen Aquarius und Ocean Viking im Einsatz, wollen wir unter dem neuen Namen SOS Humanity für mehr Menschlichkeit im Mittelmeer sorgen. Bis zum Sommer 2022 werden wir mit einem eigenen, neuen Rettungsschiff in den Einsatz starten, um mehr Menschen vor dem Ertrinken zu retten: mit der schnellen und wendigen Humanity.

Der Kern unseres Handels bleibt unverändert: Leben retten ist Pflicht – auch im Mittelmeer!

Durch eine verstärkte politische Arbeit an Land wollen wir diesem humanitären Imperativ mehr Nachdruck verleihen.

2021 ist im Schnitt alle sechs Stunden ein Mensch auf der Flucht im zentralen Mittelmeer gestorben. Die vorhandenen Rettungskapazitäten reichen bei weitem nicht aus – jedes Schiff wird dringend gebraucht.

Deshalb haben wir als SOS MEDITERRANEE Deutschland beschlossen, uns vom internationalen Verbund zu lösen und mit konzentrierter Kraft ein neues, besonders schnelles Rettungsschiff aufs Mittelmeer zu bringen. Um unser Ziel, für mehr Menschlichkeit gegenüber flüchtenden Menschen auf See zu sorgen zu erreichen, haben wir einen Namen gesucht, der dies widerspiegelt. Ab Januar 2022 werden wir als SOS Humanity unsere Arbeit als zivile Seenotrettungsorganisation fortsetzen. Unser neues Schiff wird Humanity heißen.

Unabhängig sind wir flexibler und effizienter. Auch eine Rückbesinnung auf die Gründungsidee, dass Leben nicht nur auf See, sondern auch an Land gerettet wird, gelingt besser. Als SOS Humanity werden wir unsere politische Arbeit verstärken.

Die Realisierung eines neuen Schiffs erfordert, dass sich alle Mitarbeitenden des deutschen Vereins sowie alle finanziellen Mittel hierauf konzentrieren. Das ermöglicht uns den Erwerb eines eigenen Rettungsschiffs, für dessen Anschaffung, Ausrüstung und den Betrieb wir uns nun mit ganzer Kraft engagieren. Denn das Rettungsschiff Humanity soll bis Mitte 2022 im zentralen Mittelmeer im Rettungseinsatz sein. Mit unserer in sechs Jahren Einsatz gesammelten Erfahrung und Expertise und mit Unterstützung der Zivilgesellschaft können wir so unmittelbar zu unserer Gründungsvision beitragen, dass alle Menschen aus Seenot gerettet werden können.

Wir bleiben, wer wir sind.

SOS Humanity ist weiterhin unter dem Vereinsname SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V. registriert. Wir bauen auf unserer Geschichte seit der Gründung von SOS MEDITERRANEE Deutschland durch den Kapitän und Historiker Dr. Klaus Vogel 2015 in Berlin auf. Auch unsere Werte und Satzungsziele bleiben gleich: Das Retten von Menschen vor dem Ertrinken, die humanitäre Notversorgung an Bord und das Bezeugen der Situation vor Ort bleiben unsere Hauptaufgaben. Gleichzeitig wollen wir unsere politische Arbeit an Land stärker ausbauen und haben unsere Ziele – retten, schützen und begleiten, bezeugen – um ein weiteres Ziel ergänzt: verändern.

Wir sind der Ansicht, dass es nicht reicht, rein humanitär zu agieren – Menschen werden auch durch politische Entscheidungen an Land gerettet. Zusätzlich zum Retten auf See wollen wir daher verstärkt die Öffentlichkeit aufklären. Die Missstände, die wir auf See bezeugen, Rechtsbrüche und die tödlichen Folgen einer verfehlten EU-Migrationspolitik wollen wir noch besser vermitteln, denn sie sind ein Skandal und zutiefst unmenschlich.

Zum Beispiel ist es immer noch kaum bekannt, dass die EU die libysche Küstenwache aufbaut und finanziert, die mit dem Abfangen und Zurückschleppen von Zehntausenden flüchtenden Menschen Seerecht verletzt – das ist ein Völkerrechtsbruch durch die Hintertür, für den wir die EU als ziviler Akteur zur Verantwortung ziehen wollen. Von der neuen Bundesregierung fordern wir, dass sie sich entschieden für ein europäisches Seenotrettungsprogramm einsetzt: Menschen in Seenot müssen zuverlässig gerettet und schnellstmöglich an einen sicheren Ort gebracht werden – so, wie es das Seevölkerrecht vorschreibt.

Die humanitäre Krise im Mittelmeer ist ungelöst, flüchtende Menschen werden dem Ertrinken überlassen. Jedes weitere Rettungsschiff wird dringend gebraucht.

Die europäischen Staaten haben sich weitestgehend aus der Rettung von Menschen in Seenot im zentralen Mittelmeer zurückgezogen. Zivile Seenotrettungsorganisationen, die alles daransetzen, diese Lücke zu füllen, werden weiterhin blockiert. Die mindestens 1.503 Toten des vergangenen Jahres zeigen, wie dringend es zusätzlicher Rettungsschiffe bedarf, um dem Sterben vor Europas Haustür Einhalt zu gebieten.

Unsere sechsjährige Einsatzerfahrung in der Seenotrettung im Mittelmeer hat gezeigt: Je diverser die zivile Rettungsflotte sich aufstellt, desto effizienter kann sie retten. So steigt zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine Organisation mit ihrem Schiff vor Ort ist und Leben retten sowie die Situation vor Ort bezeugen kann.

Mit unserem neuen, besonders schnellen Schiff wollen wir nicht nur die dringend benötigten Rettungskapazitäten ausbauen, sondern die bestehende zivile Flotte sinnvoll ergänzen, um möglichst viele Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Bei Rettungseinsätzen zählt jede Sekunde und jede Verzögerung kann Menschenleben kosten.

Mit einem schnelleren, wendigeren Schiff können wir Notfälle zügiger erreichen.  Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 26 Knoten wird die Humanity sehr viel schneller bei einem Seenotfall sein können. Gerade bei einem so großen Einsatzgebiet wie den Such- und Rettungszonen im zentralen Mittelmeer wird damit lebenswichtige Zeit gewonnen.

Ein Schiff vom Typ Fast Support and Intervention Vessel (FSIV) fährt nicht nur doppelt so schnell, wie die anderen Rettungsschiffe vor Ort – es erfüllt auch alle Voraussetzungen für unseren lebensrettenden Einsatz im zentralen Mittelmeer. Mehr Informationen zum Konzept der Humanity können hier nachgelesen werden.

Der Schiffsname Humanity ist Kompass, Mahnung und Aufruf zugleich.

Mit diesem Rettungsschiff wollen wir mehr Menschlichkeit aufs Mittelmeer bringen und gleichzeitig an Politik und Gesellschaft appellieren, mehr Menschlichkeit im Umgang mit über das Mittelmeer flüchtenden Menschen zu wagen. Der Name des neuen Rettungsschiffs ist fast identisch mit unserem neuen Namen, unter dem wir ab Januar auftreten: SOS Humanity.

Das zukünftige Team an Bord wird aus 19 Personen bestehen. Es setzt sich aus einem Such- und Rettungs- sowie einem medizinischen Team und einer nautischen Schiffscrew zusammen. 

Du willst an Bord kommen?

Auf unserer Seite zum Rettungsschiff Humanity findest du mehr Informationen und ein Kontaktformular.

Bis Mitte 2022 wollen wir mit dem neuen Schiff in den lebensrettenden Einsatz auf See starten.

Wir sind schon länger mit Schiffsmaklern und Reedereien für den Schiffskauf im Gespräch und haben bereits konkrete, interessante Angebote.

Auch die Anschubfinanzierung steht bereits, und sobald der Kauf abgewickelt ist, wird das Schiff in eine Werft transferiert und für den Rettungseinsatz umgebaut. Hierbei müssen zusätzliche Rettungsmittel und Aufbauten wie Schutzräume für die Unterbringung der Geretteten installiert werden.

Wir versuchen den Schiffskauf und den anschließenden Umbau so zeitnah wie möglich zu realisieren.

Die Kosten für den Kauf, den Umbau und die Ausstattung mit Rettungsmitteln sowie die Zertifizierung zum Rettungsschiff belaufen sich auf circa 2 Millionen Euro. Eine Anschubfianzierung ist bereits gesichert.

Die Kosten für unsere Einsätze, inklusive Einsatzteams, Ausrüstung, Versorgung und medizinische Hilfe an Bord belaufen sich auf circa 5.600 Euro pro Tag.

SOS Humanity – SOS MEDITERRANEE Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein und finanziert sich hauptsächlich durch Spenden aus der Zivilgesellschaft.

 

 

 

 

Mit deiner Spende unterstützt du unsere Arbeit und ganz konkret den Kauf und Umbau unseres eigenen schnellen Rettungsschiffs und hilfst bei der Anschaffung der Rettungsausrüstung.

Ab Mitte 2022 werden eingegangene Spenden zur Finanzierung der Rettungseinsätze eingesetzt.

Das Mittelmeer ist eine der tödlichsten Grenzen der Welt. Zehntausende Menschen sind seit dem Jahr 2000 im Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst. Wie viele nie ankamen, weil ihre seeuntüchtigen und stark überbesetzten Boote ohne Zeug*innen sanken und ohne Spur verschwanden, wissen wir nicht.

Gleichzeitig hat die Europäische Union bis heute keine Lösung gefunden, das Sterben im Mittelmeer zu beenden. Die meisten Menschen sind aufgrund fehlender Alternativen dazu gezwungen, sich auf die gefährliche Fluchtroute über das Mittelmeer zu wagen, um aus den grauenvollen libyschen Internierungslagern zu entkommen. Die vorhandenen Rettungskapazitäten sind völlig unzureichend – weitere Rettungsschiffe werden dringend benötigt.

SOS Humanity wurde als SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V.  am 9. Mai 2015 von dem deutschen Kapitän und promovierten Historiker Klaus Vogel in der Überzeugung gegründet, dass niemand im Mittelmeer ertrinken darf – unabhängig von Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit und Fluchtgründen.

Den fehlenden Rettungskapazitäten im Mittelmeer wollte ein Kreis engagierter Bürgerinnen und Bürger der europäischen Zivilgesellschaft, darunter professionelle Seefahrer*innen und humanitären Helfer*innen, etwas entgegensetzen. Zwischen 2016 und 2021 konnte SOS MEDITERRANEE 34.631 Kinder, Frauen und Männer aus Seenot retten und an einen sicheren Ort bringen.

2021 sind mehr als 1.500 Kinder, Frauen und Männer im zentralen Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst. Die europäischen Staaten haben sich seit Jahren weitgehend aus der Seenotrettung zurückgezogen. Stattdessen haben sie die libysche Küstenwache aufgebaut, um schutzsuchende Menschen auf See abzufangen und nach Libyen zurückzuzwingen: ein Verstoß gegen geltendes Völkerrecht.

Ohne den Einsatz der Zivilgesellschaft würden noch viel mehr Menschen ungesehen an Europas Grenzen ertrinken. Zivile Seenotrettungsorganisationen übernehmen vor allem die Aufgabe, die die europäischen Staaten immer weniger wahrnehmen: das Retten von Menschen aus Seenot und bringen sie an einen sicheren Ort, wie es das Seerecht vorschreibt. Zudem sind sie die Augen und Ohren der Zivilgesellschaft. Sie bezeugen die Situation vor Ort, informieren die Öffentlichkeit und verstärken den Druck auf die politischen Entscheidungsträger*innen, Menschenrechte und das Seerecht auf dem Mittelmeer einzuhalten.

Die Pflicht zur Seenotrettung gilt für alle Schiffe und überall auf See gleichermaßen.

Die Rettung von Menschen aus Seenot ist als menschliche Pflicht tief in der maritimen Tradition verankert und gleich in drei völkerrechtlichen Verträgen verbindlich geregelt: im Internationalen Übereinkommen zum Schutz menschlichen Lebens auf See (SOLAS, 1974), im Internationalen Übereinkommen über den Such- und Rettungsdienst auf See (SAR, 1979) sowie im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ, 1982). Ergänzt werden diese Verträge durch Richtlinien der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO).

Allen Menschen in Seenot muss Hilfe geleistet werden, unabhängig von ihrer Nationalität, ihres Status oder der Umstände, in denen sie vorgefunden werden [SAR, SRÜ]. Seenotrettung beinhaltet, dass die Menschen geborgen, versorgt und schnellstmöglich an einen sicheren Ort gebracht werden [SAR, SRÜ]. An einem sicheren Ort dürfen die Geretteten keiner Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sein. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung müssen gewährleistet sein [IMO, MSC.167(78)]. Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK, 1953) sowie die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK, 1954) schreiben zudem vor, dass Menschen nicht in ein Land mit prekärer Menschenrechtslage zurückgebracht werden dürfen (Refoulement-Verbot).

Küstenstaaten sind dazu verpflichtet einen wirksamen Such- und Rettungsdienst einzurichten und die dafür nötigen Kapazitäten zur Verfügung zu stellen (SRÜ). Sie sind weiterhin dafür verantwortlich Rettungseinsätze zu koordinieren und den Geretteten einen sicheren Ort zuzuweisen [SAR, IMO, MSC.167(78)]. Kernstück dieser Verpflichtung ist die Einrichtung einer Rettungsleitstelle. Diese muss 24 Stunden am Tag erreichbar und mit englischsprechendem Personal besetzt sein [IMO, MSC.70(69)].

Vor Ort müssen wir dennoch immer wieder beobachten, wie staatliche Akteure ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen umgehen und Menschenrechte systematisch verletzen: Rettungsleitstellen reagieren nicht oder zu spät, sie kommen ihrer Pflicht zur Koordination nicht nach, Notrufe bleiben unbeantwortet und werden nicht weitergeleitet. Stattdessen kooperiert die EU mit der zwielichtigen libyschen Küstenwache, welche Flüchtende völkerrechtswidrig in das Land zurückzwingt. Mehr dazu kann in unserem Report „Völkerrecht über Bord“ nachgelesen werden.